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15. April 2026

Offener Brief der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Deutschland an die Bundesministerin für Gesundheit, Nina Warken

Offener Brief zum Mitzeichnen

Abstract
Während eine Diskussion über Einschnitte in Zeiten finanzieller Engpässe notwendig und legitim sein mag, so ist eine Diskussion auf der Grundlage systematisch verzerrter Daten es sicherlich nicht. Eine politische Entscheidung muss auf Fakten und empirischer Evidenz basieren, damit sie vor den Bürgerinnen und Bürgern legitimiert werden kann. Dies ist hier nicht der Fall.
Wir, die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Deutschland, warnen in diesem offenen Brief vor irreführenden Darstellungen des GKV-Spitzenverbands zur psychotherapeutischen Ver-sorgung und Vergütung. Wir kritisieren die versorgunsgefährdenden, nicht evidenzbasierten pauschalen Honorarkürzungen sowie die Pläne zur Budgetierung und die geplante Patienten-steuerung als höchst risikoreich. Zahlreiche Studien zeigen, dass Kürzungen regelmäßig Wartezeiten verlängern, Dropout-Raten steigern und damit zu hohen Folgekosten führen.
Der Brief fordert eine unabhängige Prüfung der vom GKV-SV angeführten Daten zur angeblichen psychotherapeutischen Vergütung, die Aussetzung der Kürzungen, eine Distanzierung von Fehl-narrativen und evidenzbasierte Prozesse, um eine Verschärfung der ohnehin bestehenden Versorgungskrise zu verhindern und das Koalitionsversprechen zur Stärkung der Psychotherapie einzuhalten.
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Nina Warken,
wir wenden uns als Psychotherapeutinnen in Deutschland mit großer Sorge an Sie. Anlass sind aus unserer Sicht irreführende und systematisch verzerrte Darstellungen psychotherapeutischer Versorgung und Vergütung durch den GKV-Spitzenverband (GKV-SV). Dabei geht es um weit mehr als einen kommunikativen Fehltritt. Es geht um eine systematische Verzerrung der Realität, die geeignet ist, dass auf deren unhaltbarer Grundlage fatale gesundheitspolitische Entscheidungen getroffen werden, die sowohl uns Psychotherapeutinnen und Psy-chotherapeuten, als auch die Patientinnen und Patienten und die Versorgungslage, sowie letztlich auch die Wirtschaft treffen werden: Internationale Studien (bspw. UK und Niederlande) zeigen, Kürzungen verlängern Wartezeiten, steigern Dropout und ziehen Folgekosten nach sich (vgl. Prudon, 2025; Bernardo et. al., 2021; OEDC, 2020). Infolge der verzerrten und manipulativen Darstellung des GKV-SV sind bereits folgende Ent-wicklungen umgesetzt worden, bzw. zu beobachten:

Offener Brief BMGVersion_Final_mit Literatur-1