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21. Januar 2026

Nachahmung empfohlen: „Informelle Kontakte sind der Kitt jeder Organisation“

2. Vorsitzende organisiert berufsgruppenübergreifende Vernetzung auf Bezirksstellen-Ebene

Kinder- und Jugendmediziner:innen, KiJu-Psychotherapeut:innen (KJP) sowie KiJu-Psychiater:innen (KJPP) trafen sich am 21. Januar 2026 erstmalig zu einem neuen Format der Vernetzung im großen Saal der KVWL in Dortmund auf Einladung der Bezirksstelle DO-UN-HAM. Der Zuspruch war groß, mehr als 50 Anmeldungen trotz relativ kurzfristiger Einladung. Schon im Vorfeld äußerten viele, was für eine gute Idee das wäre, diese Berufsgruppen zusammenzubringen. Entsprechend engagiert war die Teilnahme an den Gesprächen: eine ausgesprochen lebendige und anregende Atmosphäre. Zwar konnten durch Ausfall des ursprünglich vorgesehenen Referenten, ein auf dem Gebiet kenntnisreicher psychologischer Psychotherapeut, die Erwartungen an den Vortrag zum Thema nur teilweise erfüllt werden. Es war nur ein erster Überblick über die neue „Richtlinie über die berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung insbesondere für schwer psychisch kranke Kinder und Jugendliche mit komplexem psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlungsbedarf“ (KJ-KSV-Psych-RiLi oder auch KJ-Komplex-RiLi) möglich. Aber immerhin konnte auch eine einhellige Schlussfolgerung gezogen werden, nämlich dass die Richtlinie in den Praxen der Anwesenden nicht umsetzbar ist, man dafür spezielle Zentren, andere Bedingungen wie weniger hohe Zusatzqualifizierungen oder eine realistische Finanzierung bräuchte.

Hauptanliegen der lange angedachten Veranstaltung war aber der zweite Programmpunkt, nämlich das Kennenlernen in kleinen, regional zugeordneten Gruppen. Und dies stieß auf größtenteils sehr positive Resonanz. In den Rückmeldungen wurde die Möglichkeit zum persönlichen Austausch sehr gelobt: „Jetzt werde ich demnächst leichter den Hörer in die Hand nehmen für eine Rücksprache.“ – „Es war schön, die anderen Berufsgruppen zu treffen.“ – „Wir würden uns gern weiter vernetzen. Der Austauschbedarf ist da.“ – „Wir brauchen dringend einen regelmäßigen Austausch von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen. Wie kann der organisiert werden?“, um nur einige Rückmeldungen zu zitieren.

Die Veranstaltung stand bis kurz vorher noch auf wackligen Füßen. Durch kurzfristigen Ausfall des Referenten musste eine neue Akkreditierung bei der Psychotherapeutenkammer für die CME-Punkte beantragt werden. Die Heilberufekammern erkennen sich dabei gegenseitig an, sodass die Punkte auch bei der Ärztekammer eingereicht werden können.

Zur Eröffnung der Veranstaltung sprach Herr Dr. Prosper Rodewyk die Begrüßungsworte und stellte sich als Bezirksstellenleiter den Anwesenden vor.

Frau Dipl.-Psych. Reinhild Temming, als psychotherapeutische Beirätin im Bezirksstellenbeirat die Initiatorin der Veranstaltung, schilderte im Anschluss den Hintergrund der Idee, nämlich dass die Kommunikation zwischen somatisch behandelnden Ärzten und Psychotherapeuten in solchen Bezirksstellen reibungslos verläuft, wo die Berufsgruppen regelmäßig bei einem Bezirksstellenfest zusammenkommen, man sich also persönlich kennt. „Logisch“, fasste Temming zusammen: „Informeller Kontakt ist der Kitt jeder Organisation.“ Seit sie 2017 von so einer Möglichkeit und deren Wirkung erfuhr, verfolgte sie die Idee, stieß aber auf sehr viele Hindernisse. Daher kam es ihr schon fast wie ein Wunder vor, dass neun Jahre später die Realisierung auf kleiner Ebene, nämlich mit Kinder- und Jugendbehandler:innen als kleinste Gruppe, doch noch gelang. Gedacht ist es als Versuchsballon, der bei gutem Anklang weiter fliegen soll. Sodann stellte sie auch die Komplex-Richtlinie in einen historischen Zusammenhang, der auf Jens Spahns Ansinnen einer Lotsenregelung für Psychotherapie zurück geht. Dies wurde 2019 wegen massenhaften Protests zwar aus dem damaligen Gesetzentwurf gestrichen, übrig geblieben war der Auftrag zur genannten Richtlinie, der 2024 nun auch für Kinder und Jugendliche umgesetzt wurde.

Für den Hauptvortrag sprang dankenswerterweise der stellvertretende Leiter des KVWL-Geschäftsbereichs Qualitätssicherung, Herr Ass. Jur. Jörg Otte ein. Mit einer PowerPoint-Präsentation stellte er die Inhalte der KJ-Komplex-Richtlinie aus juristischer Sicht vor. Hierzu gab es viele praktische Nachfragen, die leider nicht in seinen Kompetenzbereich fielen. Dadurch entstand eine gewisse Unzufriedenheit, weil die Teilnehmer hierzu mehr Konkretes erwartet hatten. Es wurde bemerkt, dass einige durch die Einladung erstmals von der Existenz der Richtlinie erfahren hatten. Hoffnung auf bessere Realisierbarkeit besteht durch die nach fünf Jahren vorgesehene Evaluation der Richtlinie, in die Veränderungsvorschläge einfließen können. Der gute Grundgedanke der Vernetzung der beteiligten Berufsgruppen kann aber auch zuvor schon wie bei dieser Veranstaltung umgesetzt werden. Herr Otte empfahl berufsgruppenübergreifende Qualitätszirkel. In der Diskussion kam zur Sprache, dass die KiJu-Mediziner früher die KJPP zu ihren Zusammenkünften eingeladen hatten. Aus einer Überlastung heraus war dies zuletzt nicht mehr passiert.

Festzuhalten bleibt, dass weitere Ideen zur informellen Vernetzung gefragt sind sowie Kolleg:innen, die dies mit organisieren. Vorschläge sind willkommen unter bezirksstelle.dortmund@kvwl.de.

Zur „Save-the-date“-Email vom 15.12.2026 (ist zusätzlich als Brief Anfang Januar an alle beteiligten Praxen im Bezirsstellen-Gebiet versandt worden)

Zur Eröffnungsansprache von Reinhild Temming

Die PowerPoint-Folien wurden an alle Teilnehmer:innen verschickt.